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Partnerschaft für die Ausbildung: Jugendlichen Perspektiven bieten

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Die beruflichen Perspektiven junger Menschen standen im Mittelpunkt der fünften Sitzung der von Oberbürgermeister Marcus König im Mai 2020 ins Leben gerufenen Task Force Corona.

„Partnerschaft für Ausbildung – Jugendlichen Perspektiven bieten“ lautete die Überschrift des Gremiums, an dem neben Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Wirtschaft und Arbeit diesmal auch Expertinnen und Experten aus schulischen und außerschulischen Bildungsbereichen teilnahmen.

In der Sitzung befassten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Situation junger Menschen am Übergang zwischen Schule und Beruf. Im schulischen Bereich lag der Fokus auf den Mittelschulen, beim Übergang in den Beruf auf der dualen Ausbildung.

In seiner Einführung regte Oberbürgermeister Marcus König an, Jugendlichen in der öffentlichen Wahrnehmung noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken: „Sie leisten in diesen Zeiten unter Corona-Bedingungen Großartiges. Die Jugendlichen verhalten sich solidarisch, sie verzichten auf vieles und brauchen unsere besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung, um in ihrer Entwicklung gerade jetzt keine Nachteile zu erfahren. Wir müssen ihnen etwas zurückgeben und beim Übergang von der Schule in eine berufliche Ausbildung helfen.”

Knapp 55 000 Nürnbergerinnen und Nürnberger sind aktuell zwischen 15 und 24 Jahre alt und befinden sich in der wichtigen Lebensphase zwischen Schulabschluss und Berufseinstieg. Knapp 1 300 Jugendliche haben im letzten Schuljahr die Mittelschule verlassen, nur 22,6 Prozent von ihnen mündeten in eine duale Ausbildung ein. Im Vorjahr waren es noch 25,6 Prozent.

Berufsorientierung bieten

In diesem Jahr haben nach einer Abfrage des Arbeitskreises Schule – Wirtschaft – Mittelschulen erst etwa zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen der Mittelschulen einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Pandemiebedingt mussten Berufsorientierungsmaßnahmen größtenteils ausgesetzt werden. Junge Menschen fühlen sich in der Folge oftmals alleine gelassen und ohne Plan. Genau hier anzusetzen und gemeinsam Unterstützungsmaßnahmen auszuloten, war erklärtes Ziel der jüngsten Sitzung der Task Force.

Für die fachlichen Informationen in der Task Force sorgte Prof. Dr. Kai Maaz, Professor für Soziologie mit Schwerpunkt Bildungssysteme und Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Maaz ist geschäftsführender Direktor des Leibniz-Institutes für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Als Sprecher der Autorengruppe des Nationalen Bildungsberichts und Vorsitzender der beiden Kommissionen der Friedrich-Ebert-Stiftung „Schule in Zeiten der Pandemie: Empfehlungen für das Schuljahr 2020/21“ sowie „Lehren aus der Pandemie: Gleiche Chancen für alle Kinder und Jugendlichen sichern“ gilt er als ausgewiesener Fachmann und anerkannter Experte in Bildungsfragen.

Lob für „Nürnberger Modell“

Maaz lobte die Nürnberger Strukturen des Übergangsmanagements von der Schule in den Beruf („Nürnberger Modell“) als gute Grundlage für die aktuellen, pandemiebedingten Herausforderungen, die von zunehmenden Lernrückständen („Kompetenzarmut“) und einer wachsenden Heterogenität zwischen den Schülerinnen und Schülern gekennzeichnet seien. Besonders in den Blick genommen werden müssten hinsichtlich Berufseinstieg neben den Abschlussjahrgängen auch die nachrückenden Klassen, in denen die – derzeit nur sehr eingeschränkt mögliche – Berufsorientierung eine so wichtige Rolle spiele. Er plädierte für eine Stärkung der Selbstlernkompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern und für die Flexibilisierung der Bildungsbiographien und Abschlussphasen, flankiert durch eine engere Verzahnung zwischen schulischer und außerschulischer Bildung.

Statt Klassenwiederholungen sollte eine gezielte Förderung erfolgen und die allgemeinbildende und die berufliche Bildung besser miteinander verflochten werden. Neben der Förderung kognitiver Kompetenzen müsse auch die psychosoziale Unterstützung deutlich ausgeweitet werden.

Einen guten Ansatz sah er in der Task Force Corona und dem gemeinsamen Austausch: „Bildungsprozesse bilden einen komplexen Zusammenhang. Die heutige Zusammensetzung der Task Force Corona greift diese Komplexität sehr gut auf, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln.“

In ihrem Eingangsstatement stellte Nürnbergs Schulreferentin Cornelia Trinkl fest: „Die Schülerinnen und Schüler dürfen nach dem Verlassen der Schule und beim Eintritt in die Berufswelt nicht unter die Räder geraten. In Nürnberg verfügen wir glücklicherweise über gut funktionierende Systeme und Kooperationen beim Übergangsmanagement. Daneben müssen vorhandene Angebote gestärkt, aber jetzt auch Zusatzangebote geschaffen werden, um die zum Großteil ausgefallene Berufsorientierung zu kompensieren und ein passgenaues Matching für die einzelne Jugendliche bzw. den einzelnen Jugendlichen sowie den Betrieb zu schaffen. Wir wollen auf jeden Fall die Nürnberger Schülerinnen und Schüler durch Zusatzangebote, auch im Bereich der sozialen Entwicklung, unterstützen. Gemeinsam muss es uns gelingen, für die Jugendlichen in der momentanen herausfordernden Zeit eine Zukunft mit Aussicht zu gestalten.“

Enger Zusammenschluss

Wirtschafts- und Wissenschaftsreferent Dr. Michael Fraas betonte: „Für einen gelingenden Berufseinstieg ist der enge Zusammenschluss zwischen Schule, Unternehmen sowie Kammern und Verbänden von größter Bedeutung. In Nürnberg gelingt dies, wie die zahlreiche und breite Teilnahme an der Sitzung zeigt. Ziel aller ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt Fuß zu fassen und damit die dringend benötigten Perspektiven zu bieten.“

Jugendreferentin Elisabeth Ries richtete ihren Blick auf die individuelle Situation junger Menschen. Nach 14 – für junge Menschen besonders langen – Monaten der Pandemie mit stark eingeschränkten Kontakten zu Gleichaltrigen, fehlen diesen aber auch die Alltagskontakte zu Erwachsenen, die sie für ihren beruflichen Orientierungsprozess bräuchten. Ihre Verunsicherung werde verstärkt durch den Wegfall vieler Angebote der Berufsorientierung und -vorbereitung, von Praktikums- und Schnuppermöglichkeiten, was den Berufseinstieg stark erschwere. Zugleich sei es im erklärten Interesse der Betriebe, Ausbildungsplätze gut zu besetzen und damit auch den Bedarf an Fachkräften zu sichern: „Ich zähle daher sehr auch auf kreative Ansätze und ein besonderes Engagement der Unternehmen und Betriebe vor Ort, um junge Menschen zu erreichen, ihr Interesse und ihre Motivation unter den widrigen Umständen zu wecken und zu fördern und auch durch individuelle Kontakte und Maßnahmen – gemeinsam mit Bildungs- und Jugendeinrichtungen — Verantwortung für die jungen Menschen am Übergang Schule – Ausbildung zu übernehmen.“

Neben der Einschätzung des aktuellen Sachstands in der schulischen und außerschulischen Bildung sowie der Lage auf dem Ausbildungsmarkt standen explizit auch Fragen zur psychosozialen Dimension der Krise auf der Agenda. In einer rege geführten Diskussion entwickelten die Teilnehmenden aus den Bereichen Schule, Jugendhilfe und Jugendverbandsarbeit sowie Wirtschaft und Arbeit gemeinsam Ideen für konkrete Unterstützungsmaßnahmen, um die Partnerschaft für Ausbildung zu stärken. Sobald als möglich sollen alle Maßnahmen zur Berufsorientierung und – einstiegsbegleitung wieder in Präsenz stattfinden und zusätzliche, auch digitale Angebote entwickelt werden.

Digitale Sprechstunden

Markus Lötzsch, IHK Nürnberg für Mittelfranken, stellte die Idee vor, Ausbildungsbetrieben die Möglichkeit zu geben, digitale Sprechstunden für interessierte Jugendliche anzubieten. Hier sollen Jugendliche die Azubis auf Augenhöhe zu allem rund ums Thema Ausbildung befragen können. Wolfgang Uhl, Handwerkskammer für Mittelfranken, schloss sich der Idee von Sprechstunden an, wobei hier die Ausbildungsberatung Rede und Antwort stehen soll. Für deren praktische Umsetzung soll die städtische Internetseite der Kampagne #AusbildungJETZT vom letzten Sommer reaktiviert und Akteure der Jugendberufsagentur und der Task Force Corona eingebunden werden.

Als konkretes Ergebnis der letzten Task Force Corona „Arbeitsmarkt und kommunale Handlungsmöglichkeiten“ im November 2020 konnte Oberbürgermeister Marcus König in der 5. Sitzung zudem den Startschuss zur Weiterbildungskampagne #WeiterbildungJetzt geben: In einer breit angelegten Social Media-Kampagne rufen die Kooperationspartner Stadt Nürnberg, Industrie- und Handelskammer (IHK) Nürnberg für Mittelfranken, Agentur für Arbeit Nürnberg, Jobcenter Nürnberg – Stadt, Handwerkskammer für Mittelfranken und DGB Mittelfranken alle Nürnberger Bürgerinnen und Bürger dazu auf, gerade jetzt auf berufliche Weiterbildung zu setzen. Kernstück der Kampagne ist die Internetseite www.weiterbildung.nuernberg.de. Dort stellen sich kostenfreie und neutrale Beratungsstellen zur beruflichen Weiterbildung vor. Alle beraten auch zu Förderangeboten.

Gegründet wurde die Task Force Corona vor einem Jahr als Ideen- und Austauschplattform, um Wege aus dem Lockdown aufzuzeigen und gemeinsam kreative Lösungen zur Bewältigung der Krise zu entwickeln. Ursprungsidee war, Lockerungen der coronabedingten Einschränkungen auf kommunaler Ebene zu begleiten, mitzugestalten und Handlungsspielräume zu nutzen. Ziel ist, proaktiv Wege aus dem Lockdown zu erarbeiten, selbstverständlich bei Wahrung des Infektionsschutzes.

Text. Stadt Nürnberg / fra
Titelfoto: Professor Dr. Kai Maaz, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, bei der Bildungskonferenz der Stadt Nürnberg im Jahr 2020. Foto: Rudi Ott

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