Connect with us

Sonstiges

Nürnbergs Annäherung an Afrika trägt Früchte

Published

on

Das erste große Kooperationsprojekt Nürnbergs mit afrikanischen Kommunen konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

Sechs Photovoltaik-Anlagen in Sokodé und Aného in Togo wurden mit Nürnbergs Hilfe innerhalb von 20 Monaten installiert und liefern bereits Energie für öffentliche Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Eine abschließende Reise mit Expertenaustausch zum Thema Energieeffizienz steht noch aus und kann hoffentlich im Sommer 2021 realisiert werden.

Unterstützung erhielt das von Karin Gleixner, Koordinatorin kommunaler Entwicklungspolitik der Stadt Nürnberg im Amt für Internationale Beziehungen, koordinierte Solarprojekt vom Referat für Umwelt und Gesundheit. Der Klimaschutzbeauftragte Wolfgang Müller stand bei der Antragstellung und dem technischen Design der Photovoltaik-Anlagen zur Seite. Das Referat für Internationale Beziehungen der bayerischen Staatskanzlei bewilligte eine großzügige Zuwendung von 90 Prozent des geplanten Photovoltaik-Projekts mit einem Gesamtvolumen von 160 000 Euro. 5 Prozent davon übernehmen die beiden Kommunen in Togo, weitere 5 Prozent die Stadt Nürnberg.

Der Beginn: „Palavern“ in Sokodé, Togo, mit dem damaligen Umweltreferenten Dr. Peter Pluschke, dem damaligen Leiter des Amts für Internationale Beziehungen, Dr. Norbert Schürgers, und zwei Vertretern der togolesischen Migrantenvereine in Nürnberg. Foto: Karin Gleixner

Der Bürgermeister von Sokodé, Ahini Mankana Korodowou, dankte der Stadt Nürnberg „für dieses sehr wichtige und unverzichtbare Projekt für das Leben der Bürger von Sokodé und der Zentralregion“. Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König sieht in der Annäherung Europas an Afrika die Zukunft: „Die weltweiten Probleme müssen wir gemeinsam lösen, und das machen wir am besten mit unserem Nachbarkontinent Afrika. Auf kommunaler Ebene können wir oft vieles bewegen – das ist manchmal einfacher als auf staatlicher Ebene“, so Marcus König. „Ein Projekt mit Strahlkraft für die beiden Regionen“, so urteilte auch Britta Walthelm, Nürnbergs Referentin für Umwelt und Gesundheit. Sie ergänzt weiter: „Klimaschutz ist eine globale Herausforderung und wir freuen uns, dass wir dieses Projekt unterstützen konnten. Léna Bury, Vertreterin der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Togo, gratulierte der Stadt Nürnberg „herzlich zu diesem schönen Projekt zugunsten der lokalen Entwicklung“. Johannes Hertlein von der beteiligten Consultingfirma SOLVIENTA glaubt, dass „es keine kosteneffizienteren Anlagen in Afrika gibt, die mit öffentlicher Förderung im Rahmen einer Partnerschaft errichtet wurden“.

Zum Hintergrund

Am Anfang stand der Wunsch vieler Aktiven der afrikanischen Communities in Nürnberg nach einer Städtepartnerschaft mit Afrika. Wie aber diesen Wünschen mit so vielen konkreten Vorschlägen von Kommunen gerecht werden? Und wie will Nürnberg in Zeiten großer Umwälzungen dem Nachbarkontinent Afrika überhaupt begegnen? 2017 schuf die Stadt Nürnberg im Amt für Internationale Beziehungen die Stelle Koordination kommunaler Entwicklungspolitik, die sowohl die Erarbeitung kommunaler Beziehungen zu Afrika als auch die Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Nachhaltigkeitsziele (in Englisch: „SDGs“ = Sustainable Development Goals) innerhalb der Stadtverwaltung zur Aufgabe hat. Die Projektstelle wird finanziell von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) noch bis Ende Mai 2021 gefördert.

Koordinatorin Karin Gleixner setzte einen partizipativen Prozess um, an dessen Ende die gemeinsame Wahl der Kommunen Sokodé (circa 110 000 Einwohner) und Aného (circa 50 000 Einwohner) in Togo stand. 2018 reiste eine sechsköpfige Delegation, darunter zwei Vertreter der hiesigen togolesischen Migrantenvereine, nach Togo und tauschte sich mit den kommunalen, religiösen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren in beiden Kommunen aus. Durch ausgiebiges „palavern“ im afrikanischen, also gesellschaftlich zweckdienlichen Sinne, folgte am Ende des Besuchs die Erkenntnis, dass die drei Kommunen im Bereich Saubere und bezahlbare Energie (SDG 7), Gesundheit (SDG 3) und berufliche Bildung (SDG 4) kooperieren wollen.

Im Herbst 2018 wurde ein Togo-Arbeitskreis mit zwei städtischen und zwei zivilgesellschaftlichen Personen gegründet. Dem Photovoltaik-Projekt vorausgegangen waren weitere persönliche Begegnungen: Im März 2019 wurde in Nürnberg ein kommunaler Fachaustausch zu erneuerbaren Energien mit drei Berufsschullehrern aus Sokodé durchgeführt. Im Anschluss daran hatte die Koordinatorin für die drei Ausbilder die Teilnahme an einem zweiwöchigen Solarkurs im Allgäu organisiert. Im November 2019 nahmen jeweils fünfköpfige Delegationen aus Sokodé und Aného an der Nachhaltigkeitskonferenz „Agenda 2030 – Sechs afrikanische Kommunen und die Europäische Metropolregion Nürnberg“ teil; wieder wurden hier auch die Themen der Nachhaltigkeit in Energie, Bildung und Gesundheit bearbeitet. Größtes Projekt des Togo-Arbeitskreises wurde die Planung der Einrichtung von Photovoltaik-Anlagen auf Krankenhäusern und Berufsschulen in Sokodé und Aného. Damit werden die drei genannten Bereiche Energie-Gesundheit-Bildung verknüpft.

Die Umsetzung des Projekts

Über Ausschreibungen wurden eine Consultingfirma zur technischen Begleitung des Projekts, ein deutscher Lieferant des Materials sowie zwei örtliche Installationsfirmen gefunden. Das Material wurde auf expliziten Wunsch der Partnerkommunen in Deutschland geordert; es entspricht hohen Qualitätsansprüchen, wohingegen die von chinesischen Produzenten nach Afrika gelieferte Qualität keinen Nachhaltigkeitswert aufweist.

Mit insgesamt 323 Solarmodulen wurden zwei Anlagen mit je 46 Kilowatt-Peak (kWp) Nennleistung für die beiden Krankenhäuser gebaut; die beiden Berufsschulen erhielten je eine Anlage mit 4,6 kWp für die Schulung netzgebundener Photovoltaik-Anlagen und je eine Anlage mit 1,4 kWp mit einem 6 Kilowattstunden (kWh)-Speicher für die Schulung von netzfernen Inselanlagen.

In Sokodé waren 23 und in Aného 24 Personen direkt an den Installationsarbeiten beteiligt. Wegen Corona konnten die beiden Mitarbeiter der Consultingfirma SOLVIENTA nicht, wie geplant, zur Begleitung der Installation nach Togo fliegen. Sie wickelten diese auf Grund der coronabedingten Einschränkungen komplett virtuell ab. „Die Kommunikation mit den beiden Kommunen, dem Lieferanten, den Zollbehörden, der Consultingfirma und dem Togo-Arbeitskreis war so flüssig und zielorientiert, dass er alle Beteiligten zu Höchstleistung motivierte“, so die Koordinatorin Karin Gleixner. Besser und professioneller habe sie sich die Projektabwicklung nicht vorstellen können, womit sie auch alle Vorurteile, nach denen es schwierig sei, mit Afrika zusammenzuarbeiten, zurückweist.

Die Schulungsmöglichkeiten an den beiden Berufsschulen schließen eine Lücke in den Curricula der angehenden Elektroingenieure. Die beiden Anlagen auf den Krankenhäusern können jeweils über 70 000 kWh Strom im Jahr erzeugen, das entspricht einer Einsparung von rund 12 600 Euro pro Jahr und pro Anlage. Diese Mittel stehen nun für die eigentliche Gesundheitsarbeit zur Verfügung, wichtig gerade in Pandemiezeiten. Die Installationsfirmen in Sokodé und Aného konnten vor Ort ihre Kompetenz belegen und haben nun ein großes Referenzprojekt im Repertoire.

In Aného weist die technische Leiterin die Mitarbeiter ein. Foto: Yedidya Venunye Agbanator

Ziel: universeller Zugang zu Elektrizität

Das zentralafrikanische Land Togo hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 einen universellen Zugang zur Elektrifizierung zu erreichen. Grob geschätzt ein Drittel der Menschen im Land haben Zugriff auf Elektrizität. Die Zukunft Afrikas liegt in der dezentralen, bedarfsorientierten Stromerzeugung. Diese kann in erster Linie durch Photovoltaik erreicht werden. Sehr wohl gibt es ausgebildetes Fachpersonal, aber für den großen Bedarf noch lange nicht genug. Und es fehlt vor allem an Mitteln zur Umsetzung der Elektrifizierungspläne.

Nürnberg hat in beiden Kommunen Vorzeigeprojekte ermöglicht, die in Togo als Modell für den weiteren Ausbau der Photovoltaik dienen werden.

Text: Stadt Nürnberg
Titelfoto: Montage von Solarpanelen auf der Berufsschule „Lycée d’Enseignement Technique et Professionel“ in Sokodé, Togo. Foto: Essossinam Ketetsche

Advertisement
Advertisement

News

Interessante Beiträge