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Fußball

2. Liga: Drohungen vor bitterer 0:3-Pleite des 1. FCN gegen Hannover

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Polizei-Ermittlungen nach Anzeige des Vereins!

Nach dem 1:0 (0:0)-Auswärtssieg vom 24. Spieltag der Saison 2019/20 beim Karlsruher SC durch das „goldene Tor“ von Patrick Erras in der 74. Spielminute schien der 1. FC Nürnberg auf dem besten Wege aus der akuten Abstiegszone der 2. Bundesliga – doch dann stürzten zwei Ereignisse rund um das Gastspiel von Hannover 96 das ramponierte Fußball-Aushängeschild Frankens in (eher mehr als weniger großes) Entsetzen:

4-Asger Sörensen (FCN) gegen 9-John Alberto Guidetti

Erst tauchten im Umfeld von „Max-Morlock-Stadion“ am Dutzendteich und unweit davon entferntem Trainingsgelände des „Club“ mit dessen Funktionsgebäuden am Valznerweiher Flugblätter auf, in denen (verkappte Mord-)Drohungen gegen die Profis Hanno Behrens und Lukas Mühl ausgesprochen wurden und dann sorgte die 0:3 (0:2)-Niederlage quasi als Revanche der Niedersachsen für deren 0:4 (0:3)-Niederlage der Hinrunde gegen damals hochgelobte Franken auch noch für die Rückkehr sportlicher Sorgen in die Noris – gerade mal vier Punkte Vorsprung auf den Abstiegs-Relegations-platz sind alles andere als beruhigend . . .

Dabei ist die sportliche Situation der 1. FCN (29 Punkte) mit nach einem Zwischenhoch nun erneut ein ernüchternder Tabellenstand und vor allem wieder geringer gewordener Differenz zum Relegationsplatz 16 (der SV Wehen Wiesbaden gewann beim VfL Osna-brück mit sage und schreibe 6:2 und hat nun 25 Zähler) das eine und die dabei alles andere als berauschende Leistung der Mannschaft von Jens Keller gegen den Hannover-schen Sportverein von 1896 ebenso . . . – das Geschehen rund um Mannschaft und Verein mit Drohungen (angeblich von angeblichen Fans …) wirft noch mehr (und existenziel-lere) Fragen auf. Etwa die, was es noch mit Sport zu tun hat, wenn in Anspielung an den Kolumbianer Andrés Escobar – nicht zu verwechseln mit dem grausamen und skrupel-losen, 44jährig bei einer Razzia in Medellín von einer US-amerikanisch-kolumbianischen Elite-Einheit erschossenen Drogen-Baron Pablo Escobar – auf Plakaten (indirekte Mord-) Drohungen gegen Spieler in die Öffentlichkeit gebracht werden!?!

33-Cecric Teuchert (H)

Zur Erinnerung: Der gerade mal 27 Jahre junge Andrés Escobar, dem bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA im Gruppenspiel gegen den Gastgeber (1:2) ein Ei-gentor zum 0:1 unterlief, wurde zehn Tage später in seinem Geburtsort Medellin durch sechs Schüsse vor einer Bar getötet. Dass der Täter Bodyguard und Fahrer mächtiger Drogenbosse war, ließ Vermutungen aufkommen, dass er als Auftragsmörder der kolum-bianischen Wettspielmafia gehandelt haben könnte – es mag aber auch sein, dass es sich „lediglich“ um die Tat eines enttäuschten und wütenden Fans der Nationalmannschaft handelte.

11-Linton Maina macht gegen 33-Georg Magreitter (FCN) und Torwart 26-Christian Mathenia (FCN) sein Tor zur 2:0-Führung für Hannover 96

Bewusstere Beschäftigung mit eigenen Fans sinnvoll …

Wie dem damals auch gewesen sein mag: Einen Menschen aus dem Leben zu reißen oder auch nur damit zu drohen, kann nur als perfide bezeichnet werden. Da hört nicht nur der Spaß auf, das hat rein gar nichts mehr mit Sport, Spiel und Spaß zu tun – so wenig, wie Menschen in Fadenkreuze zu setzen und diese bei Sportveranstaltungen zur Schau zu stellen!

Womit keineswegs das Recht von Fußball-Fans auf freie Meinungsäußerung bestritten werden soll. Es gibt gewiss Dinge, die im Profi-Sport mittlerweile Einzug gehalten haben und alles andere als im Sinne des Sports sind – auf die Art und Weise der Auseinander-setzung aber kommt es schon auch noch an. Wobei sich die Vertreter des Profi-Sports durchaus überlegen sollten, ob sie ihre Kunden (und das sind Besucher ihrer Veranstal-tungen nun mal) in der Vergangenheit ernst genug genommen haben und wie sie das künftig gegebenenfalls besser machen können . . .

Aus der Sicht des Beobachters (und das sind wir Journalisten zwangsläufig) sollten sich die Vereine womöglich intensiver mit ihrer Anhängerschaft befassen und auch (bewuss-ter als bisher) auseinandersetzen = einerseits vielleicht mehr und andererseits auch an-ders (als bisher). Auf einem guten Weg befand sich da schon mal Christian Bönig, erst seit 7. Januar 2020 beim 1. FC Nürnberg, mit entsprechender Reaktion bei der Medien-/ Pressekonferenz nach dem Hannover-Spiel, als Trainer Keller mit (s)einem Satz („Es ist schon Wahnsinn, in welcher Welt wir mittlerweile leben, was man alles mitmachen muss, wenn man in der Öffentlichkeit steht!“) für Unverständnis bis Verwirrung unter den Journalisten sorgte.

11-Linton Maina mit 33-Cecric Teuchert nach seinem Tor zur 2:0-Führung für Hannover 96

Spontane (Auf)Klärung durch den neuen Medien-Chef Bönig

Der Leiter der neugeschaffenen Position „Sportkommunikation und Pressesprecher Sport/Lizenzspielbetrieb“ betrieb spontan Aufklärung und machte den Hintergrund dessen deutlich, was Jens Keller möglicherweise ungewollt herausgerutscht war; eine sicher ebenso richtige wie sinnvolle Reaktion. Der in Lüchow (südliches Wendland im Nordosten von Niedersachsen) geborene 42-Jährige proftierte dabei vermutlich von seinen vorherigen beruflichen Erfahrungen im Sportjournalismus und den folgenden Beschäftigungen im Profi-Fußball beim FC St. Pauli (2005–15 zehn Jahre als Leiter Medien und Teammanager) sowie bei Hannover 96 (2016–2017 verantwortlich für die Medienarbeit).

Dass Christian Bönig vor seinem Engagement beim 1. FCN außerdem zwei Jahre lang als „Head of Football“ bei Onside Sports GmbH (= eine Beratungsagentur unter anderem der Bundesliga-Klubs Borussia Dortmund, Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach) tätig war sowie zwischen seinen Jobs beim Hamburger Kiez-Klub und dem jüngsten Gegner (ausgerechnet …) 2015 als „Head of Communications“ bei der Klitschko Management Group wirkte, scheint seinen Erfahrungsschatz umfangreich gemacht zu haben. Jeden-falls reagierte der neue FCN-Medienchef überlegt, womöglich sogar weit vorausdenkend.

Denn die explizite Nennung der „UN“ (= Ultras Nürnberg) entspricht zwar offensichtlich den Tatsachen – weil (zumindest neben anderen Gruppen der FCN-Anhängerschaft) wohl auch Mitglieder dieser Fan-Gruppierung dazu beitrugen, dass die aufgefundenen DinA4-Plakate respektive Aufkleber, Sticker oder Zettel (so genau weiß das niemand, weil die per Anzeige des 1. FCN eingeschaltete Polizei aus Ermittlungs-taktischen Gründen um Nichtveröffentlichung bat) schnellstmöglich aus dem öffentlichen Raum entfernt wur-den. Ob das allerdings auch Kalkül war und eventuell einen Schulterschluss bedeutet (wie früher angeblich zwischen dem damaligen Sportvorstand Bader und Nürnbergs „Ultras“) oder eben nur Fakten wiedergeben sollte, bleibt abzuwarten.

18-Hanno Behrens (FCN) gegen 24-Sebastian Jung

Betroffene Profis informiert, Behrens wollte dennoch spielen

Vor dem fälligen Punktspiel der 2. Bundesliga hielten die Verantwortlichen des Vereins die Vorgänge vor der Mannschaft unter Verschluss, lediglich die beiden betroffenen Spieler Hanno Behrens und Lukas Mühl wurden informiert über die Aktion und deren Inhalt; insbesondere die Namensnennungen. Da Innenverteidiger Mühl wegen einer Verletzung ohnehin ausfiel, stellt sich lediglich im Fall des Mannschaftskapitäns die Frage, was tun – für den 29jährigen Spielführer keine Frage, er wollte spielen und es war ihm (aus Sicht des zu diesem Zeitpunkt ja noch unwissenden Berichterstatters …) auch nicht anzumerken, unter welchem Druck er gestanden haben mag/muss.

4-Asger Sörensen (FCN) gegen 9-John Alberto Guidetti

Jens Keller äußerte in diesem Zusammenhang auch Unverständnis angesichts des Auf-wärtstrends seiner Mannschaft in der Rückrunde. Zudem stellte der Cheftrainer eine Verbindung her zur „aktuellen Zeit“ und den Fadenkreuzen insbesondere mit dem Porträt von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp – „und dann passiert so etwas …“.

Derweil verurteilte Nürnbergs Sportvorstand Robert Palikuca „diese widerliche und geschmacklose Aktion“ im Namen des Vereins „aufs Schärfste“ und kündigte an: „Wir werden alles dafür tun, die Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen!“

26-Hendrik Weydandt gegen 33-Georg Magreitter (FCN)

Wie es weiter geht – in Zeiten von Fan(?)-Drohungen + Corona-Virus:

Nach dem Schock auf Grund der Drohungen gegen eigene Spieler und der folgenden 0:3-Niederlage gegen Hannover 96 richtet sich der Blick für den 1. FCN nun auf das kommen-de Auswärtsspiel beim FC St. Pauli am kommenden Sonntag (13:30 Uhr) am Millerntor in Hamburg, das voraussichtlich ebenfalls ohne Zuschauer stattfinden wird.

Laut einer offiziellen Mitteilung des Vereins waren bereits die FCN-Trainingseinheiten seit dem vergangenen Wochenende nicht mehr öffentlich zugänglich, außerdem nahmen und nehmen vorläufig keine Profis mehr an Sponsoren- oder PR-Terminen teil (allein schon wegen des Corona-Virus COVID-19). Das gilt gleichermaßen vor der Reise in die Hansestadt auch für den Rest dieser Woche.

Und eine aktuelle Anfrage beim Polizeipräsidium Mittelfranken ergab, dass die Krimi-nalpolizei Nürnberg hinsichtlich der Anzeige des 1. FCN gegen Unbekannt nach wie vor ermittelt. Neue Erkenntnisse sind allerdings nicht bekannt oder noch nicht soweit ge-diehen, dass sie an die Öffentlichkeit gegeben werden können/soll(t)en – zumindest gab es keine konkrete Information allgemeiner Art an Medien/Presse respektive auf unsere konkrete Nachfrage. Im Übrigen ergab sich lediglich, dass die Inspektion Nürnberg den Vorgang an den Ermittlungsdienst übergeben hat.

Es bleibt zu hoffen, dass der oder die Täter des ungeheuerlichen Vorgangs von Drohung-en gegen Spieler des (eigenen?) Vereins ermittelt werden können!

Trainer Jens Keller (FCN)

Die Statistik zur Begegnung des 1. FC Nürnberg vom 25. Spieltag der 2. Bundesliga in der Saison 2019/20:

1. FC Nürnberg – Hannoverscher SV 96 0:3 (0:2)

1. FCN: 26 Mathenia – 4 Sörensen (72. 7 Lohkemper), 5 Geis, 6 Handwerker, 8 Dovedan (46. 23 Schleusener), 14 Frey, 17 Hack, 18 Behrens, 22 Valentini (42. 15 Nürnberger), 29 Erras, 33 Margreitter / ohne Einsatz auf der Bank: 34 Willert – 9 Ishak, 10 Kerk, 11 Zrel’ák, 16 Gnezda Cerin, 27 Besong / Trainer: Jens Keller.
H96: 1 Zieler – 2 Elez, 9 Guidetti (66. 26 Weydandt), 10 Haraguchi, 11 Maina (90+1. 35 Muslija), 13 Kaiser, 15 Hübers, 21 Horn, 24 Jung, 31 Anton, 33 Teuchert (79. 7 Prib) / ohne Einsatz auf der Bank: 23 Ratajczak – 3 Albornoz Inola, 6 Bakalorz, 18 Stendera, 20 Ochs, 29 Stehle / Trainer: Kenan Kocak.
Tore: 0:1 15 Hübers (17. Spielminute), 0:2 11 Maina (27.), 0:3 26 Weydandt (90.),
Schiedsrichter: Markus Schmidt – SR-Assistenten: Christian Gittelmann + Marcel Schütz / 4. Offizieller: Tobias Fritsch / Video-Assistent: Christof Günsch.
Gelbe Karten: FCN 1 = 23 Schleusener (54., wegen Foulspiels) – Hannover keine.
Gelb-Rote Karten: weder FCN noch H96.
Rote Karten: weder FCN noch H96.
Zuschauer: 26 745 (zahlende im “ Max-Morlock-Stadion“).

26-Hendrik Weydandt macht gegen Torwart 26-Christian Mathenia (FCN) das 3:0-Siegtor

Und so geht’s weiter für den „Club“:

26. SPIELTAG: 15. MÄRZ 2020 (SONNTAG, 13:30 UHR), FC St. Pauli Hamburg – 1. FC Nürnberg (Hinrunde 1:1)

27. SPIELTAG: 22. MÄRZ 2020 (SONNTAG, 13:30 UHR), 1. FC Nürnberg – FC Erzgebirge Aue (Hinrunde 3:4) . . . im Max-Morlock-Stadion

28. SPIELTAG: 3. APRIL 2020 (FREITAG, 18:30 UHR),SSV Jahn Regensburg – 1. FC Nürnberg (Hinrunde 1:1)

29. SPIELTAG: 10.–13. APRIL 2020 (Freitag–Montag), 1. FC Nürnberg – VfL 1848 Bochum (Hinrunde 1:3) . . . im Max-Morlock-Stadion

30. SPIELTAG: 17.–20. APRIL 2020 (Freitag–Montag), DSC Arminia Bielefeld – 1. FC Nürnberg (Hinrunde 5:1)

31. SPIELTAG: 24.–27. APRIL 2020 (Freitag–Montag), 1. FC Nürnberg – SpVgg Greuther Fürth (Hinrunde 0:0) . . . im Max-Morlock-Stadion)

Text: Klaus Meßenzehl
Fotos: Werner F. Schönberger / ISPFD
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