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Nürnberg: Platzbenennung nach NSU-Mordopfer İsmail Yaşar

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In Erinnerung an İsmail Yaşar wurde die Grünanlage an der Ecke Lorschstraße / Bestelmeyerstraße / Velburger Straße als İsmail-Yaşar-Platz benannt

Bei einer kleinen Gedenkzeremonie für das sechste Mordopfer der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) enthüllte Oberbürgermeister Marcus König mit der Familie des ermordeten İsmail Yaşar und Prof. Barbara John, Ombudsfrau für die Angehörigen der Opfer des NSU das Straßenschild. Zudem wurde in unmittelbarer Nähe des Tatorts an der Scharrerstraße eine Gedenkstele aufgestellt sowie ein Walnussbaum – gestiftet vom Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region – gepflanzt.

İsmail Yaşar wurde am 9. Juni 2005 von der Terrorgruppe NSU ermordet.

1955 in Alanyurt in der Türkei geboren kam İsmail Yaşar mit 23 Jahren nach Deutschland. Der Vater zweier Kinder arbeitete zuerst für ein Metallunternehmen und danach in einem Nürnberger Kabelwerk. Den Lebensunterhalt für seine Familie verdiente er auch mit dem Verkauf von türkischen Lebensmittelspezialitäten, betrieb eine Änderungsschneiderei sowie einen Second-Hand-Laden. Zuletzt führte er einen Imbissstand in der Scharrerstraße gegenüber der Scharrerschule, die auch sein Sohn besuchte. Am Morgen des 9. Juni 2005, einem Donnerstag, hatte İsmail Yaşar wie gewohnt seinen Imbiss geöffnet, gegen 9.45 Uhr verkaufte er noch einen Döner. Als um 10.15 Uhr ein weiterer Kunde den Imbissstand betrat, fand er den damals 50-jährigen İsmail Yaşar tot auf. Er war von fünf Kugeln in Kopf und Oberkörper getroffen worden. „Neben der juristischen und politischen Aufarbeitung ist die Verwurzelung des Gedenkens in der Gesellschaft von ganz besonderer Bedeutung. Die vielen Engagierten im Stadtteil Gleißhammer, dem Stadtteil für die Menschenrechte, verbinden in vorbildlicher Weise die Kultur der Erinnerung mit einer Kultur der Verantwortung“, betonte Oberbürgermeister Marcus König. OB König, die Familie des ermordeten İsmail Yaşar – Sohn Kerem Yaşar und Tochter Deniz Nur-Aktaş – sowie Prof. Barbara John, Ombudsfrau für die Angehörigen der Opfer des NSU, nahmen an der von Schülerinnen und Schülern der Scharrerschule, der Initiative Gleißhammer sowie vom städtischen Menschenrechtsbüro gestalteten Gedenkveranstaltung teil.

In unmittelbarer Nähe des Tatorts an der Scharrerstraße erinnern eine Gedenkstele sowie ein Walnussbaum – gestiftet vom Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region – an das NSU-Mordopfer İsmail Yaşar.
Bei der Gedenkzeremonie: Sohn Kerem Yaşar, Prof. Barbara John, Ombudsfrau für die Angehörigen der Opfer des NSU, Tochter Deniz Nur-Aktaş und Oberbürgermeister Marcus König (von links).

Zum Leidwesen der Familie Yaşar geriet sie nach dem Mord selbst ins Visier der Polizei. Kontakte des Familienvaters ins Drogenmilieu wurden vermutet. Erst im Jahr 2011 stellte sicher heraus, dass der Mord von der rechtsextremen Terrorgruppe NSU begangen worden war. Diese hat zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordet, darunter mit Enver Şimşek und Abdurrahim Özüdoğru zwei weitere Männer in Nürnberg.

Nach dem ersten Mordopfer Enver Şimşek ist nach der Entscheidung des Stadtrats vom 21. Juli 2021 bereits ein Platz am Tatort in Langwasser benannt worden. Die Benennung der Grünanlage an der Ecke Lorschstraße / Bestelmeyerstraße / Velburger Straße als İsmail-Yaşar-Platz hatte der Stadtrat in seiner Sitzung am 27. April 2022 beschlossen.

Gemäß dem Auftrag des Stadtrats ist derzeit auch die Benennung eines geeigneten Orts nach Abdurrahim Özüdoğru, dem dritten Nürnberger NSU-Opfer, in Vorbereitung.

„Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen und eine Gesellschaft zu bauen, in der jedes menschliche Leben beschützt und behütet wird“, sagte Prof. Barbara John, Ombudsfrau für die Angehörigen der Opfer des NSU. Im Zuge der Gedenkzeremonie für İsmail Yaşar wurde auch ein Walnussbaum – gestiftet vom Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region – gepflanzt. „Wir freuen uns, dass der Baum in Nürnberg an so einem lebendigen Ort steht und ein kleiner Beitrag ist, Rassismus zu überwinden“, sagte Johannes Brandt, Koordinator des Bündnisses für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region. In Zwickau wohnten jahrelang Mitglieder des NSU.

Seit 2021 setzt sich das Zwickauer Bündnis für Demokratie und Toleranz für Baumpflanzungen zum Gedenken an die Opfer des NSU in den jeweils betroffenen Städten ein. In engem Kontakt mit den Familien und den Stadtverwaltungen werden Bäume und Standorte gewählt, die als Erinnerungsort dienen sollen.

Text: Stadt Nürnberg / maj
Titelfoto: Platzbenennung nach NSU-Mordopfer İsmail Yaşar am Donnerstag, 2. Juni 2022: Oberbürgermeister Marcus König hat mit dessen Sohn Kerem Yaşar und Tochter Deniz Nur-Aktaş bei einer kleinen Gedenkzeremonie das Straßenschild enthüllt.
Fotos: Christine Dierenbach / Stadt Nürnberg

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