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Kein „Last Ride Tokyo“ für Nadja Pries: Deutschlands beste BMXerin sagt leise „Servus“

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Die Olympia-Teilnehmerin und mehrfache Deutsche Meisterin Nadja Pries erklärt mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt vom BMX-Sport.

Die 26-jährige Erlangerin war nach zwei schwereren Verletzungen gerade wieder auf ihr Leistungsniveau zurückgekehrt und hatte die Olympischen Spiele in Tokio 2021 im Blick. Dennoch hat sich die Bundeskaderathletin des RC 1950 Erlangen und Stipendiatin des GOLDENEN RING für das vorzeitige Karriereende und damit ganz bewusst für eine Neuorientierung in ihrem Leben entschieden.

17 Jahre und unzählige Podiumsplatzierungen liegen zwischen Nadja Pries erster Teilnahme bei Deutschen BMX-Meisterschaften im Jahr 2003 und ihrem letzten BMX-Race Weltcup in Shepparton, Australien. Die nackten Zahlen klingen nach einer erfüllten Karriere, zeigen aber nicht, dass die gebürtige Erlangerin auf ihrem Leistungszenit abtritt. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Verletzungen, Corona, das deutsche Spitzensportfördersystem oder das fehlende öffentliche Interesse an Randsportarten. Am Ende war Pries Rücktritt aber vor allem eines: selbstbestimmt.

Wer die BMX-Karriere der heute 26-Jährigen in den letzten beiden Jahrzehnten verfolgt hat, würde das Adjektiv „selbstbestimmt“ ohne Zögern unterschreiben. Nadja Pries ist immer ihren eigenen Weg gegangen. Mit sieben Jahren sitzt sie als kleines blondes Mädchen erst-mals auf dem BMX-Sattel. Zwei Jahre später fährt sie bereits ihre erste Deutsche Meisterschaft. Schnell wird ihr klar, dass sie ihre Leistungsgrenze mit dem BMX ausloten will.

Nadja Pries Foto: Cherryinger_Photography

Über zwei Jahre lang spart sie für die Teilnahme an den Jugendweltmeisterschaften 2009 in Australien. In der Kategorie Girls 15 erreicht Pries am Ende Platz 5. 2010 schafft sie bei den Jugendweltmeisterschaften in Südafrika Platz 3 in der Kategorie Girls 16. Es folgen zwei extrem erfolgreiche Jahre als BMX-Juniorin: Zweimal Silber und einmal Bronze bei JWMs sowie Bronze bei den Europameisterschaften. Die Medaille ist historisch, denn es ist die erste UCI Medaille für Deutschland überhaupt. Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 kommt für die erst 18-Jährige dennoch zu früh.

Aber ihr großes Ziel steht nun fest: die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016. Nach ihrem Abitur wechselt sie in die Sportfördergruppe der Bundeswehr, aus der sie nach drei Jahren wieder ausscheidet. Sie beginnt ein Psychologie-Studium an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen, was bedeutet, dass Pries sich nun eigenständig finanzieren muss. Sie baut ein Sponsoren-Netzwerk auf und nutzt die Sozialen Medien, um sich selbst zu vermarkten.

Ihre Jahre in der BMX-Race Elite-Klasse sind hart: schlechte Trainingsbedingungen in Deutschland, gefährliche Stürze bei Rennen sowie lange, kostspielige Reisen, bei denen sie oft auf sich allein gestellt ist. Nadja Pries ist die einzige deutsche BMX-Athletin, die in der Weltspitze mitfährt. Dennoch erzielt Pries immer wieder respektable Ergebnisse bei Weltcups und Weltmeisterschaften. Mit einem 9. Platz bei den Weltmeisterschaften 2016 erfüllt sie sich ihren Lebenstraum und löst das Ticket für die Olympischen Spiele in Brasilien. Auf die Wettkämpfe fühlt sich Pries top vorbereitet, kann aber nicht ihr volles Leistungsvermögen abrufen. Die Enttäuschung über das frühe Ausscheiden wandelt die ehrgeizige Athletin in positive Energie um und richtet den Blick auf Tokio 2020.

Mit dem GOLDENEN RING findet sie 2017 einen wichtigen Unterstützer und zieht von Erlangen nach Nürnberg. Das monatliche Stipendium der Förderinitiative ist eine gute Ergänzung zu den Geldern der deutschen Sporthilfe und ihrer Sponsoren. Eine Unterschenkelkopffraktur 2018 und eine Beckenfraktur 2019 stellen Nadja Pries auf eine harte Probe. Durch die langen Ausfallzeiten verpasst sie viele Rennen und damit mögliche Punkte für eine Olympia-Qualifikation. Ohne richtige Vorbereitung fährt sie die gefährlichen Strecken der BMX-Weltcups. Ans Aufgeben denkt sie keine Sekunde. Als im Mai 2020 die Olympischen Spiele in Tokio abgesagt werden, reißt ihr das genauso wie vielen anderen Athleten den Boden unter den Füßen weg.

Irgendwo in dieser Zeit verliert Pries auch ihre Leichtigkeit. Sie macht sich zu viel Druck, Flashbacks von den Stürzen plagen sie im Training. Auf einmal ist das BMX zu einer Last für sie geworden. Im September 2020 wird Nadja Pries noch einmal deutsche Meisterin, aber „der Titel fühlte sich anders an“, sagt Pries heute. In der Zeit ohne Wettkämpfe merkt sie, dass das Bike nicht der Fixstern ihres persönlichen Universums ist. Als sie der Radsportverband im Dezember informiert, dass sie den Kaderstatus nur behalten kann, wenn sie an den Bundesstützpunkt in Stuttgart zieht, fasst Pries den Entschluss ihre Karriere zu beenden.

Wer Nadja Pries auf Instagram folgt, sieht jeden Tag neue Bilder und Videos einer topfitten Sportlerin, die in höchster Intensität trainiert. „Ich bin und bleibe eine Athletin, die das Beste aus sich rausholen will“, sagt sie. Mit Nadja Pries verliert Deutschland seine einzige Weltklasse BMX-Fahrerin. Nürnberg verliert eine potenzielle Olympiateilnehmerin für Tokio. Auch wenn Stand heute noch nicht feststeht, wie Nadja Pries Leben nach der BMX-Karriere aussehen wird. Eines wird es gewiss sein: selbstbestimmt.

Text: Der Goldene Ring
Titelfoto: Nadja Pries ©Andy Küchenmeister

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