Fußball

2. Bundesliga: SpVgg Greuther Fürth – SSV Jahn Regensburg 1:0

Julian Green läßt "Kleeblatt" jubeln!

War das ein Wechselspiel der Gefühle im Verlauf der ersten vier Pflicht-Begegnungen für Anhänger wie Offizielle und Spieler der Spielvereinigung Greuther Fürth . . .

Die Fürther Spieler 14-Hans Nunoo Sarpei (links), 29-Tobias Mohr (2.v.li.) und 10-Daniel Keita-Ruel (rechts) fordern nach Handspiel eines Regensburger Spielers Elfmeter von Schiedsrichter Marco Fritz (2.v.re.).
Regensburgs 7-Max Besuschkow (links) zieht hier vor Fürths 33-Paul Seguin (rechts) ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erfreute die Mannschaft von Stefan Leitl nach dem ärgerlichen Heim-0:2 (0:1) zum Punktspiel-Auftakt der Saison 2019/20 gegen den FC Erzgebirge Aue ihre Fans an Spieltag 2 der 2. Fußball-Bundesliga mit einem durchaus überraschenden 3:1 (2:1)-Auswärtssieg beim FC St. Pauli am Hamburger Millerntor, so folgten prompt erneute Ernüchterung und Wiedergutmachung im Wechsel: Nach dem insbesondere angesichts der Leistung ernüchternden Ausscheiden in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals mit 0:2 (0:2) beim Zweitliga-Ab-steiger und Drittliga-Zweiten MSV Duisburg sorgten die Fürther Profis im jüngsten Heimspiel der 3. Zweitliga-Runde mit dem 1:0 (0:0) im bayerischen Duell gegen den SSV Jahn Regensburg immerhin für ein postwenden-des Erfolgs-Erlebnis, das aufatmen läßt und den Ronhöfern im vierten Zweitliga-Heimspiel den allerersten Heimsieg dieser Liga gegen den SSV Jahn beschert!

Fürths 40-Jamie Leweling (mi.) im Zweikampf mit Regensburgs 22-Sebastian Stolze (links) und 28-Sebastian Nachreiner (rechts).

Dabei gab es im Sportpark Ronhof zwischen den beiden ja nur rund 100 Kilometer entfernt beheimateten Klubs des Freistaats zum dritten Mal in Folge eine torlose erste Halb-zeit und erneut ein Tor weniger als in der jeweiligen Begeg-nung zuvor sowie von der Punktausbeute her eine weitere Verbesserung für die gastgebenden Mittelfranken: Entführ-ten die Gäste aus der Oberpfalz im Frühjahr 2018 (= 20. April) mit dem 1:2 (0:0) noch alle drei Punkte in die Haupt-stadt des Nord-Ost-bayerischen Regierungsbezirks, gab es im Herbst desselben Jahres (= 6. Oktober 2018) mit dem 1:1 (0:0) im damaligen Verfolger-Duell der 2. Bundesliga eine Punkteteilung und diesmal behielt die SpVgg Greuther Fürth dank des einzigen und damit “goldenen Tores” von Julian Green in der 74. Spielminute das bessere Ende sowie alle drei Punkte im Lande.

Dabei offenbarten beide Mannschaften in den ersten 45 Spielminuten derart krasse und viele Defizite, dass die Vermutung nahe liegt von großer Verunsicherung nach dem Únisono-Ausscheiden aus dem DFB-Pokal (der SSV Jahn unterlag beim 1. FC Saarbrücken, ebenfalls einem Ligen-tieferen, ja sogar Regional- = Viertligis-ten, nach ebenfalls torloser 1. Halbzeit mit 2:3 …). Ein Übriges tat die drückend schwüle Hitze, die auf dem Rasen des Ronhofs ihren Tribut forderte (auf der Haupttribüne sorgen die offensichtlich kühlenden Betonteile für weitaus angenehmeres Klima …).

Fürths Trainer Stefan Leitl.

Und so verwundert es kaum, dass zwei “Joker” und damit Akteure mit frischen Kräften maßgeblich beteiligt waren an der spielentscheidenden Szene der Partie: Havard Nielsen, der kurz zuvor (72. Flugkopfball-Geschoss aus sechs Metern nur ganz knapp über die Latte!) die Führung verpasst hatte, überraschte die Jahn-Defensive 18 Minuten nach seiner Ein-wechslung in der 74. Minute mit einem feinen und klugen Hacken-Pass auf den zwölf Minuten nach ihm von Trainer Leitl aufs Spielfeld beorderten Branimir Hrgota, der seinen Regensburger Gegenspieler an der Torauslinie austanzte und mit einer butterweichen Flanke als Abnehmer Julian Green fand, der den Ball aus rund zehn Metern Torentfer-nung nahe des Elfmeterpunktes mit dem Kopf ins Netz des Jahn-Gehäuses beförderte.

Beim Interview nach dem Spiel befürchtete der 24-jährige US-Amerikaner in Fürther Diensten zwar noch, dass Oliver Hein, sein Gegenspieler bei diesem Kopfballduell, dem Ball eine entscheidende Richtungsänderung ge-geben haben könnte und der Treffer ihm womöglich gar nicht zuerkannt würde. Und der sympathische, nur 172 Zentimeter “kurze” und 60 Kilogramm leichte, überwiegend in Oberbayern aufgewachsene sowie beim FC Bayern München ausgebildete Offensivspieler lag mit dieser Vermutung gar nicht mal so verkehrt – denn die Videobilder lassen durchaus den Schluss zu, dass es nach dem Kopfball des in Tampa/Florida geborenen US-Nationalspielers (15 Einsätze/4 Tore seit 2014, davor 1/1 für die U18 der USA im Jahr 2012), der 2011 auch für die DFB-U16 (4/1) und U17 (2/-) sowie 2013 für die deutsche U19 (5/-) auflief, noch einen Kontakt des Jahn-Verteidigers gab.

Regensburgs 7-Max Besuschkow (rechts) schubbst hier Fürths 37-Julian Green (links) weg.

Doch unabhängig davon, wie entscheidend diese Berüh-rung und damit womöglich verbundene, wenngleich eher geringe Richtungsänderung tatsächlich war, darf sich Julian Wesley Green durchaus als Torschütze fühlen. Wiewohl dem Fürther ohnehin wichtiger schien (und wohl auch war), dass das Runde endlich zum 1:0 für seine Mannschaft im Eckigen landete, hätte er beinahe einen zweiten Scorer-Punkt ergattert: Sieben Minuten nach der Fürther Führung nämlich eroberte der offensive Greuther Mittelfeldspieler den Ball an der Seitenlinie und passte (zu schnell?) nach innen, wo der Richtung Mittellinie zurücklaufende Tobias Mohr das Spielgerät annahm und auf Hrgota weiterleitete, der es zum zunächst vielumjubelten 2:0 verwandelte – be-vor die mittlerweile ja auch in Liga 2 übliche Tor-Überprüf-ung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) dazu führte, dass der bisweilen arg großzügig leitende Unparteiische Marco Fritz auf Abseits entschied.

Da hatte der Stadionsprecher den vermeintlich neuen Spielstand von 2:0 bereits zusammen mit Fürths Fans vermeldet und lediglich die Spielfortsetzung mit Freistoß für den SSV Jahn statt Anstoß sowie eine danach folgende entsprechende Anzeige auf der Video-Leinwand des Stadions machten deutlich, dass es beim 1:0 blieb (das kurz darauf dann auch wieder statt dem bereits gezeigten 2:0 auf der Anzeigetafel aufleuchtete …).

Regensburgs Trainer Mersad Selimbegovic (links gibt seinem Spieler 14-Marcel Correia (rechts) Anweisungen.

Eine Durchsage dieser Ergebnis-Korrektur erfolgte offen-sichtlich nicht – jedenfalls konnte sich nach Spielende nie-mand daran erinnern . . .

Die nachträgliche Ansicht der Video-Sequenzen vor diesem aberkannten Tor gestaltete sich indes ebenso aufwendig wie schwierig.

Hatte der Verfasser dieser Zeilen im Stadion eine Abseits-stellung von Tobias Mohr noch aus tiefster Überzeugung ausgeschlossen, so räumt er nach unendlich häufigem Wiederholen der Ansicht der Bildfolge ein, dass es (ganz knapp) Abseits gewesen sein kann. Und die technischen Möglichkeiten des Video-Assistent-Referee (VAR) in der Video-Zentrale der DFL in Köln mit noch mehr Möglichkeiten der Kontrolle sollte dann (hoffentlich) auch den Fakten entsprechen und damit zutreffend sein.

Rachid Azzouzi, der Sportdirektor der SpVgg Greuther Fürth, konnte sich beim Warten auf die Pressekonfe-renz ob des wichtigen Sieges ein Grinsen kaum verkneifen und räumte ebenfalls ein, dass vor Branimir Hrgotas aberkanntem Treffer eine “minimale” Abseitsstellung vorgelegen habe. Was natürlich umso leichter fiel, als lediglich ein Tor verloren ging und keine Punkte.

Regensburgs Torwart 1-Alexander Meyer (oben) wird hier gefoult und bekommt anschliessend Freistoß.

Regensburgs Trainer Mersad Selimbegovic, der seinem in Fürth bestens bekannten, zum 1. FC Köln gewechselten Vor-gänger und ehemaligen Boss Achim Beierlorzer auf den Chef-Posten gefolgt ist, beklagte “ein Gegentor, das wir nicht kriegen dürfen” und bemängelte “vorne keine Tor-gefahr”. Seine Ausführungen beschloss der Beierlorzer-Nachfolger mit den Worten “Glückwunsch zum verdienten Sieg!”.

Fürths Chef-Trainer führte nochmals aus, was er bereits bei der Pressekonferenz vor der Begegnung mit dem SSV Jahn angemerkt hatte: “Wir wussten schon, was auf uns zukom-mt”, meinte Stefan Leitl und erklärte, dass den “langen Bäl-len” und “Zweikämpfen” mit einer “Doppel-Sechs” vor der Abwehr begegnet werden sollte.

Angesichts “guter Qualität in der Regensburger Mannschaft – nach wie vor” zeigte er sich zufrieden darüber, “dass wir in der ersten Halbzeit bis auf einen Freistoß keine Chance zugelassen haben und vielleicht schon da durch Keita-Ruel oder Mohr in Führung hätten gehen können”!

Zur Pause wurde dann in der Kabine offensichtlich darüber gesprochen, “dass es noch heißer wird” – offen blieb bei dieser Aussage, ob damit mehr die Temperaturen gemeint waren oder das Geschehen auf dem Spielfeld. In jedem Fall sorgte Leitl mit seinen Spielerwechseln für frischen Wind: Daniel Keita-Ruel sah trotz allem Bemühen gegen Jahn Regensburg selbst bei Kopfbällen, seiner sonstigen besonderen Stärke, wenig Land; der für ihn präsentierte Havard Nielsen war vor allem am Siegtor durchaus (vor)entscheidend beteiligt – und Branimir Hrgota wirbelte auf der rechten Außenbahn noch mehr als zuvor bereits Jamie Leweling, der völlig zu recht mit Sonderapplaus verabschiedet wurde, in noch offensiverer Form als Angreifer; mit perfekter Flanke zum entscheidenden 1:0 plus weiterer Chance und einem eigenen Treffer (auch wenn dieser keine Anerkennung fand …).

Fürths 37-Jilian Green (rechts) köpft hier den Ball zum entscheidenden 1-0 ins linke Eck. Alexander Meyer im Regensburger Tor kommt nicht heran.

Und so geht’s weiter für die SpVgg Greuther Fürth . . .

Zwei Reisen in Folge stehen nun für die Leitl-Truppe auf dem Programm der 2. Fußball-Bundesliga: am 24. August 2019 (Samstag, Anstoß 13 Uhr) zu Hannover 96 und am 31. August 2019 (Samstag, 13 Uhr) zum DSC Arminia Bielefeld.

Nach der folgenden Länderspiel-Pause mit der FIFA- und UEFA-Abstellungsperiode für Nationalmannschaften vom 4. bis 10. September 2019 geht es erst am 13. September 2019 (Freitag, 18:30 Uhr) mit einem Heimspiel gegen den SV Wehen-Wiesbaden weiter, ehe am 21. September 2019 (Samstag, 13 Uhr) der VfB Stuttgart die Mittelfranken em-pfängt und die SpVgg Greuther Fürth am 29. September 2019 (Sonntag, 13:30 Uhr) die Kieler Sportvereinigung (KSV) Holstein von 1900 e.V. im Sportpark Ronhof erwartet.

Die aktuelle “Kleeblatt”-Begegnung des 3. Spieltags der Saison 2019/20 der 2. Fußball-Bundesliga in der Statistik:

Schiedsrichter Marco Fritz gibt hier wie angezeigt nach Videobeweis den Treffer zum vermeintliochen 2-0 durch 17-Branimir Hrgota (nicht im Bild) nicht.

SpVgg Greuther Fürth – SSV Jahn Regensburg 1:0 (0:0)

Fürth: 30 Burchert – 5 Mavraj, 10 Keita-Ruel (56. 16 Niel-sen), 11 Raum, 13 Caligiuri, 14 Sarpei, 18 Meyerhöfer, 29 Mohr, 33 Seguin (89. 23 Jaeckel), 37 Green, 40 Leweling (68. Hrgota) / ohne Einsatz auf der Bank: 1 Funk – 8 Aboucha-baka, 24 Sauer, 27 Redondo, 34 Stefaniak, 38 Bauer / Trai-ner: Stefan Leitl.
Regensburg: 1 Meyer – 6 Saller (46. 9 George), 7 Besusch-kow, 8 Geipl, 14 Correia (62. 13 Wekesser), 15 Grüttner, 17 Hein, 21 Schneider (68. 16 Palionis), 22 Stolze, 28 Nachrei-ner, 36 Okoroji / ohne Einsatz auf der Bank: 32 Weidinger – 3 Nandzik, 10 Derstroff, 11 Heister, 18 Lais, 19 Albers / Trai-ner: Mersad Selimbegović.
Tor: 1:0 37 Green (74. Spielminute – Kopfball zentral aus rund zehn Metern ins linke Eck; bedrängt von 17 Hein, der den Ball womöglich noch leicht berührt, und nach Flanke der lauffreudigen Nummer 17 Hrgota, den zuvor 16 Nielsen auf der rechten Fürther Angriffsseite frei-gespielt hatte).
Besonderes Vorkommnis: vermeintliches Tor zum 2:0 von 17 Hrgota (Fürth) nach Video-Kontrolle wegen Abseits zurückgenommen (81.).
Schiedsrichter: Marco Fritz – Assistenten: Dominik Schaal + Marcel Pelgrim / 4. Offizieller: Justus Zorn / Video-Assistent: Christof Günsch + Henry Müller (= Assistent des Assistenten …).
Gelbe Karten: Fürth keine – Regensburg 2 = 6 Saller (45+2., wegen heftigen Foulspiels von hinten in die Beine), 36 Okoroji (90+4. wegen Foulspiels).
Gelb-Rote Karten respektive Rote Karten: Fürth keine – Regensburg keine.
Zuschauer: 9665 (zahlende im Sportpark Ronhof Thomas Sommer).

Fürths 29-Tobias Mohr (links) freut sich nach Abpfiff mit 16-Havard Nielsen (rechts) über den 1-0 Sieg.

Bilanz der Spielvereinigung (SpVgg) Greuther Fürth . . .
= gegründet am 23.9.1903 als Spielvereinigung (SpVgg) Fürth mit den nach wie vor bestehenden Vereinsfarben Weiß-Grün und 2500 Mitgliedern (Stand: August 2917); der drei-malige Deutsche Fußball-Meister (1914, 1926, 1929) spielte in der Saison 2012/13 erstmals + bisher einmalig in der Bundesliga.
. . . gegen den Sport- und Schwimm-Verein (SSV) Jahn Regensburg:
= gegründet ursprünglich 1886 (als Turnerbund Jahn – benannt nach Friedrich Ludwig Jahn, dem Initiator der deutschen Turnbewegung) bzw. 1889, dem Mutterverein, aus dem der heutige Klub im Jahr 2000 herausgelöst wurde und der seitdem keine Fußball-Abteilung mehr hat, ehe 2009 zusätzlich auch die 1. und 2. Mannschaft sowie die A-Jugend ausgegliedert wurden; Vereinsfarben Weiß-Rot (auch bekannt als “Rothosen”), 3000 Mitglieder (Stand Dezember 2018) + seit 2018 wieder zurück in der 2. Fußball-Bundesliga (dank erfolgreicher Aufstiegs-Relegation gegen den TSV München 1860).
(siehe auch “www.fussballdaten.de”)

Gesamt-Bilanz aus Sicht der SpVgg (Greuther) Fürth:

19 Spiele / 9 Siege, 6 Unentschieden, 4 Niederlagen / 35:23 Tore (zuhause: 10 Sp., 6 S, 3 U, 1 N / 19:9 T – auswärts: 9 Sp. / 3 S, 3 U, 3 N / 16:14 T)

Bilanz in der 2. Bundesliga (2003/04 + 2017–19) aus Fürther Sicht:

7 Spiele / 2 S, 3 U, 2 N / 9:8 T (zuhause: 4 Sp. / 1 S, 2 U, 1 N / 5:5 T – auswärts: 3 Sp. / 1 S, 1 U, 1 N / 4:3 T)

Bilanz in der 2. Liga Süd (1975–77) aus Fürther Sicht:

4 Spiele / 3 S, 1 U, 0 N / 10:3 T (zuhause: 2 Sp. / 2 S, 0 U, 0 N / 6:0 T – auswärts: 2 Sp. / 1 S, 1 U, 0 N / 4:3 T)

Bilanz in der Regionalliga Süd (1969–1971) aus Fürther Sicht:

4 Spiele / 1 S, 2 U, 1 N / 5:5 T (zuhause: 2 Sp. / 1 S, 1 U, 0 N / 2:1 T – auswärts: 2 Sp. / 0 S, 1 U, 1 N / 3:4 T)

Bilanz in der Oberliga Süd (1949/50 + 1960/61) aus Fürther Sicht:

4 Spiele / 3 S, 0 U, 1 N / 11:7 T (zuhause: 2 Sp. / 2 S, 0 U, 0 N / 6:3 T – auswärts: 2 Sp. / 1 S, 0 U, 1 N / 5:4 T)

Autor: Klaus Meßenzehl
Fotos: Thorsten Schönberger / ISPFD
weitere Fotos in unserer Bilddatenbank