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Fußball

Deutscher Fußball-Kulturpreis 2021: Wo Fußball-Kultur hochgehalten wird

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Walther-Bensemann-Preis an Clarence Seedorf

Viermal gewann er die Champions League, mit drei verschiedenen Klubs. Das indes ist lediglich eins der vielen Alleinstellungsmerkmale und Rekorde, die zutreffen auf Clarence Clyde Seedorf, der als Absolvent der Fußballschule von Ajax Amsterdem mit 16 Jahren als bis dahin jüngster Spieler sein erstes Spiel in der „Eredivisie“ (zu deutsch: Ehrendivision), der höchsten Spielklasse im Fußball unseres westlichen Nachbarlandes Niederlande, bestritt und sich schnell als Mittelfeldspieler in der ersten (= Profi-)Mannschaft etablierte.

Der Walther-Bensemann-Preis ging 2021 an Clarence Seedorf

Mit Ajax holte der vermeintliche „April-Scherz“ – geboren am 1.4.1976 in Paramaribo, der Hauptstadt der einstigen niederländischen Südamerika-Kolonie Suriname (= nördlich von Brasilien, östlich von Guyana + westlich von Französisch-Guyana) – bis zu seinem Wechsel 1995 mit 19 (!) Jahren je zweimal die nationale Meisterschaft (1994, 1995) und den KNVB-Pokal (1993, 1994). Mit dem Triumpf in der Champions League (Endspiel im Wiener Ernst-Happel-Stadion 1:0 gegen seinen späteren Verein AC Mailand) setzte der Ballzauberer seinen drei Profi-Jahren in Amsterdam neben elf Toren bei 64 Einsätzen die Krone auf.

Über eine weniger erfolgreiche Saison 1995/96 in der Serie A beim italienischen Erstligisten Sampdoria Genua führte der keineswegs immer holperfreie Weg des Super-Talents zu Real Madrid, mit dem er spanischer Meister 1997, Champions-League-Gewinner 1998 (ausgerechnet in Amsterdam mit 1:0 gegen Juventus Turin) und im selben Jahr Weltpokal-Sieger wurde. Danach hakte es sowohl in der spanischen Hauptstadt wie nach seinem Wechsel im Januar 2000 zu Inter auch in Mailand, wo er dann trotzdem sein Glück finden sollte – beim Lokalrivalen AC Milan, mit dem Clarence Seedorf 2003 die Champions League (erneut gegen Juventus Turin, inzwischen Liga-Konkurrent + übers Elfmeterschießen) sowie den italienischen Pokal und 2004 die Meisterschaft gewann. Womit er der erste und bislang einzige Spieler in der Geschichte des Wettbewerbs wurde, der dies mit drei verschiedenen Vereinen schaffte.

Elfmeter-Krimi gegen Liverpool 2005 + Revanche 2007

Legendäre Begegnungen stehen im Zusammenhang mit dem Namen des niederländischen Nationalspielers aus Suriname, der nach einer enttäuschenden EM 1996 bei den folgenden Europa- (2000 + 2004) und Weltmeisterschaften (1998) jeweils im Halbfinale stand mit seinen Landsleuten (2002 dafür in der WM-Qualifikation scheiterte): So etwa das CL-Finale 2005, als Milan eine 3:0-Pausenführung gegen den FC Liverpool verspielte und nach Verlängerung sowie Elfmeterschießen verlor – wofür sich Seedorf & Co. zwei Jahre später bei der erstmaligen Wiederauflage eines solchen Endspiels mit 2:1 und seinem persönlich vierten CL-Titel revanchierte!

Ausschnitte von der Gala „Deutscher Fußball-Kulturpreis 2021“ aus der Tafelhalle in Nürnberg.

Nach zehn Jahren AC Milan mit 47 Toren in 300 Einsätzen verließ der inzwischen 36-jährige Spielmacher 2012 nicht nur Italien, sondern den Kontinent Europa und traf auch für den brasilianischen Erstligisten Botafogo FR bis März 2013 in 33 Spielen 13 Mal (insgesamt 58 Partien + 16 Treffer). Von seinem Geburts-Kontinent kehrte Seedorf nach Europa zurück und übernahm im Januar 2014 seinen Ex-Klub AC Mailand als Trainer. Dieser Episode folgten weitere eher glücklose Stationen als Chefcoach in China (2016 Zweitligist FC Shenzhen), Spanien (2018 Erstliga-Abstieg mit Deportivo La Coruna) und Kamerun (August 2018 bis Juli 2019 Nationalteam).

Abgesehen davon bewies Clarence Seedorf mit vielfältigem Engagement über den Fußball hinaus, dass er eine Ausnahme-Erscheinung im Fußball(-Geschäft) war und ist. Wegen seiner sehr fairen Spielweise und seines sozialen Einsatzes in verschiedenen Bereichen sehen viele Menschen den mittlerweile 45-Jährigen, der sechs Sprachen spricht (nur kein Deutsch), als Vorbild.

Weitere „Lichtgestalten“ Müller-Hohenstein, Holzschuh + Beyer

Für Katrin Müller-Hohenstein, die optisch wie inhaltlich herausragende Moderatorin des Abends, erwuchs aus der speziellen Sprach-Situation die Aufgabe, das Interview mit dem Auserwählten für den „Walther-Bensemann-Preis 2021“ in englischer Sprache zu führen. Was der 56-jährigen Erlangerin ebenso perfekt gelang wie Preisträger Seedorf den Idealen der ihm verliehenen Auszeichnung gemäß des Namensgebers entspricht – Walther Bensemann, der einstige Gründer des inzwischen in der Nürnberger Olympia-Verlag GmbH erscheinenden „kicker“, galt Zeit seines Lebens als „Kosmopolit des Fußballs“.

Darüber hinaus würdigte Müller-Hohenstein gleich zu Beginn des Abends Rainer Holzschuh – den erst kürzlich mit 77 Jahren verstorbenen Ex-Chefredakteur und Herausgeber des „kicker“, der seinem langjährigen Vorgänger Karl-Heinz Heimann 1988 als Chefredakteur und später auch als Herausgeber des „kicker-sportmagazin“ gefolgt war – als Mitgründer der „Deutschen Akademie für Fußball-Kultur“ mit äußert liebevollen Worten (was nicht unbedingt jeder dessen Wegbegleiter und Zeitgenossen zu teilen vermag). Und die Fränkin würzte den höchst kurzweiligen Abend gemäß ihrer Herkunft mit „fränggischem“ Dialekt ebenso sympathisch und unaufdringlich wie sie locker mit Bensemann-Preisträger Clarence Seedorf englisch parlierte sowie zum Abschluß der absolut gelungenen Veranstaltung, die mit all ihren Inhalten (Filme zu allen Geehrten der verschiedenen Kategorien + musikalische Umrahmung vom ausschließlich weiblichen Quartett „Bettina Ostermeier & Friends“) offensichtlich nicht nur den Verfasser dieser Zeilen (be)rührte, schließlich mit deutlich erkennbarer Freude eine der beiden „Konfetti-Raketen“ zündete.

Bernd M. Beyer, in Hamburg geborener und in Köln sowie Essen aufgewachsener, auch als Lektor tätiger Autor des mit dem Preis „Fußballbuch des Jahres 2021“ gekrönten Titels „71/72 – Die Saison der Träumer“ (eine Zustandsbeschreibung von Fußball + Gesellschaft jener Zeit = vor knapp 50 Jahren!), hatte Moderatorin Müller-Hohenstein auf deren Nachfrage übrigens noch verraten, dass das „M.“ für Michael steht; allerdings behielt er für sich, wie sein Spitzname lautet – selbst auf hartnäckige Nachfragen. Der nach 2017 bereits zum zweiten Mal ausgezeichnete 71-jährige Preisträger bewies zudem höchst sympathische Bodenständigkeit, als er im Rahmen der „Aftershow-Party“ der Gala in der „Tafelhalle“ seinen Verzicht auf das Freigetränk Wein bei der Bestellung seiner Auswahl mit dem Zücken des eigenen Geldbeutels begleitete und die entsprechende Forderung des Barkeepers, der den Preisträger nicht kannte (= nicht erkennen konnte), freundlich sowie mit Trinkgeld beglich!

In der Nürnberger Tafelhalle fand die Gala zur Preisübergabe „Deutscher Fussball-Kulturpreis“ statt.

Dank an Akademie-Leiterin Glöckl und die Sponsoren

Wer nun eventuell im Fußball-Geschehen nicht ganz so drin ist wie alle vorgenannten Protagonisten und/oder meine Wenigkeit als Berichterstatter, aber trotzdem wissen möchte, worum es sich bei der „Deutschen Akademie für Fußball-Kultur“ eigentlich handelt, dem sei folgendes erklärt: Diese 2004 gegründete Institution hat es sich (so ist es auch in „WIKIPEDIA“ nachzulesen) zur Aufgabe gemacht, „… den Zwischenraum zwischen dem sportlichen Aspekt des Fußballs und dem Feuilleton zu besetzen…“.

Seit 2006 und damit 2021 zum 16. Mal wurde deshalb wie in jedem Herbst der „Deutsche Fußball-Kulturpreis“ verliehen – und zwar in fünf Kategorien mit einem Preisgeld von jeweils 5000 Euro, die in aller Regel wieder in soziale Aktionen einfließen; für den „Walther-Bensemann-Preis“ als Haupt-Auszeichnung gibt es das Doppelte an finanzieller Anerkennung. Wofür die jeweiligen Sponsoren aufkommen, die überwiegend schon lange (teils von Anbeginn) mit von der Partie sind und denen der gebührende Dank zukam.

Leiter der Akademie war bei deren Gründung 2004 Günther Joschko, seit 2014 übt Birgitt Glöckl diese Funktion aus und erfreut sich allergrößter Wertschätzung; insbesondere auch, weil sie im „Corona“-Vorjahr 2020 Pandemie-bedingt kurzfristig die Moderation der damals virtuellen Veranstaltung in der Nürnberger „Tafelhalle“ für die erkrankte Kathrin Müller-Hohenstein übernehmen musste und das nach Meinung aller glänzend absolvierte. Als Träger der „Deutschen Akademie für Fußball-Kultur“ fungiert das „Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg“ mit Unterstützung vieler Firmen, die als Sponsoren die Akademie-Ziele unterstützen – siehe dazu wie auch zu den übrigen Preisträgern folgender Link: https://www.fussball-kultur.org/fussball-kulturpreis !

Text: Klaus Meßenzehl / Pressedienst Nürnberg
Titelfoto: Gruppenbild zum Abschluss mit allen Preisträgern und Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und OB Marcus König
Fotos & Video: Werner F. Schönberger / ISPFD
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