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N2025: Kulturhauptstadt-Bewerbungsbuch eingereicht

Nürnberg hat das erste Bewerbungsbuch um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bei der Kulturstiftung der Länder in Berlin eingereicht.

Ein wichtiger Schritt im Wettbewerb ist getan.

Mit und durch die Kulturhauptstadt soll sich Nürnberg zu einer lebendigeren und attraktiveren Stadt in Europa entwickeln. Nürnberg ist superdivers, 46 Prozent der hier lebenden Menschen haben eine inter-nationale Geschichte. Das ist eine besondere Herausforderung und soll eine Chance sein, das urbane Zusammenleben im 21. Jahrhundert zukunftsorientiert und in aktivem Miteinander zu gestalten. Die    Kulturen und die Künste werden dabei eine besondere Rolle spielen.

Präsentation des Bewerbungsbuchs. Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner, Leiter des Bewerbungsbüros Kulturhauptstadt Europas 2025, Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly (v.l.n.r.).

„Die Kulturhauptstadt Europas 2025 ist für Nürnberg       und die Region eine großartige Chance, uns den großen Fragen der Zukunft zu stellen und uns gemeinsam weiterzuentwickeln. Wir wollen unsere Vergangenheit        als Antrieb nehmen, um Zukunft zu gestalten. Mit der Region und mit europäischen Partnern suchen wir nach Wegen, wie Kooperationen intensiviert und in gemein-sames Handeln überführt werden können“, so Ober-bürgermeister Dr. Ulrich Maly.

Das Bewerbungsbuch ist in einem intensiven Prozess entstanden, an dem viele Menschen mitgearbeitet       haben: Bürgerinnen und Bürger aus Nürnberg, Künst-lerinnen und Künstler aus Nürnberg und der Europä-   ischen Metropolregion, Vertreterinnen und Vertreter        von Initiativen, Vereinen und Organisationen in Nürn-     berg und der Region, Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Themenfeldern. Auf dieser breiten Grundlage konnte ein Bewerbungsbuch erarbeitet werden, das die aktuellen Diskussionen um die Zukunft Nürnbergs widerspiegelt und danach fragt, welche Rolle die Künste und die Kulturen dabei einnehmen.

Für Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner ist es vor allem dank der Partizipation tausender Nürnberger/innen gelungen, eine zukunftsfähige und nachhaltig wirkende Bewerbung zu präsentieren: „Das Nürnberger Bid Book ist das Ergebnis eines intensiven gesellschaftlichen Diskurses und somit ein starkes Fundament für visionäre Projekte, die deutlich machen: Nürnberg ist bereit, Kulturhauptstadt Europas 2025 zu werden und darf kommenden Aufgabenstellungen selbstbewusst entgegensehen.“ „PAST FORWARD“

Nürnberg fordert mit der Bewerbung von sich selbst und von Europa Mut zur Veränderung. Das Selbst-      und Fremdbild der Stadt, das sich in großen Teilen aus der Vergangenheit speist und an vielen Stellen klischeehafte Züge annimmt, soll sich mit der heutigen Realität und Stadtgesellschaft auseinandersetzen. Dabei sollen die Vielfalt und Internationalität Nürnbergs stärker in den Vordergrund gerückt und manch liebgewonnene Komfortzone verlassen werden.

„Nürnberg braucht die selbstkritische, an vielen Stellen auch schonungslose Reflexion über das Vergangene und Vertrauen in neue Gestaltungsmöglichkeiten, Nürnberg braucht neue und vielstimmige Erzählungen, Nürnberg braucht den Austausch im Rahmen von europäischen und globalen Kooperationen, deren Ideen unsere Kreativität befeuern“, so Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner, Leiter des Kulturhauptstadt-Bewerbungs-büros.

Aus dieser Perspektive ist das Motto der Nürnberger Bewerbung entstanden, das sich durch alle Programmteile zieht: „PAST FORWARD“.

Die Kulturhauptstadt-Bewerbung ist ein im Kern europäisches Projekt. Um im 21. Jahrhundert ein von  offenen Gesellschaften geprägtes, weiter zusammenwachsendes und resilientes Europa zu sein, muss     dieses Europa immer wieder von neuem ausgehandelt werden. Neo- Nationalistischen Tendenzen, die        eine konstruierte, völkisch-homogene Vergangenheit idealisieren, muss Einhalt geboten werden. Nürnberg   ist dazu prädestiniert, die Frage nach zukunftsgerichteter Veränderung im Sinne der offenen europäischen Gesellschaft zu stellen. In Nürnberg wird an den historischen Orten der NS-Zeit deutlich, mit welchen Mitteln Demokratie unterhöhlt wurde. Von der Notwendigkeit stetiger Veränderung für ein friedliches Miteinander    in Stadt und Europa zeugt in Nürnberg aber auch der industrielle Strukturwandel und die in Folge dessen entstandenen Industriebrachen.

Das Programm

Ein einzigartiges, künstlerisch exzellentes Programm erzählt Nürnberger Geschichte(n). Diese werfen zu- gleich europäische und globale Fragen auf, die aktuell und langfristig übergeordnete Bedeutung besitzen.

Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly bei der Präsentation des Nürnberger Bewerbungsbuchs.

Partizipation, Teilhabe- und Chancengerechtigkeit, Offenheit und Transkulturalität und eine nachhaltige Stadtentwicklung markieren die Säulen der Nürnberger Bewerbung. „Von hier aus haben wir die Ideen für ein Programm entwickelt, das tragfähige Produktionsstruk-turen für die Kulturen und Künste in der Stadt bereithält, das die diversen Szenen in Nürnberg und der Region präsentiert und dabei zugleich international bedeutende künstlerische Positionen nach Nürnberg holt. Wir können für die Kunst- und Kulturschaffenden im Rahmen der Kulturhauptstadt eine internationale Aufmerksamkeit erzeugen, die von großer Nachhaltigkeit ist“, so Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner. Rund 50 Projekte und Programm-punkte werden im Bid Book skizziert.

Für die Nürnberger Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2025 ist zentral, neue Kreativorte konzeptionell in das Programm einzubinden, um so nachhaltig wirken zu können: Das neu gestaltete Museum Industriekultur und das Pellerhaus („Das Haus des Spielens“) werden 2025 die Zukunft der Arbeit, die Zukunft des Spielens und die Zukunft des analogen wie des digitalen Spiels verhandeln. Die Möglichkeit einer schritt-weisen Öffnung der Kongresshalle als Produktions- und Präsentationsort für Kunst und Kultur kann einen weiteren Meilenstein markieren. Geprüft wird derzeit, ob die alte Feuerwache 1 als Kultur- und Kreativwirt-schaftszentrum genutzt werden kann. Die Nürnberger Kulturläden werden gemeinsam mit den Menschen  aus den Stadtteilen zu Zentren der partizipativen Aushandlung von Demokratie und Stadt im 21. Jahrhundert entwickelt; kuratorisch begleitet von Sebastian Linz und Tuncay Kulaoğlu.

Die Programmdirektorin und Kuratorin Marietta Piepenbrock wird, vor dem Hintergrund des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes, den Wandel von Erinnerungsräumen in modernen Einwanderungs-gesellschaften reflektieren. Der aus Singapur stammende Theater- und Festivalmacher Ong Keng Sen wird als Kurator einen besonderen, weil nicht eurozentrischen Blick auf unsere Geschichte werfen.

Als Stadt der Kriegsverbrecherprozesse ist Nürnberg den Prinzipien internationalen Rechts besonders ver-pflichtet. Die Kinderrechte nehmen einen hervorgehobenen Platz ein – das Kulturhauptstadtjahr der Kinder, ein „Weltgerichtshof der Kinder“, inspiriert von Johannes Volkmann, und ein „Kinder-und Jugendtheater der Welt“ werden das zeigen. Die UN-Behindertenrechtskonvention markiert den Impuls für das Festival „Arts beyond borders“, an dem unter anderem Claire Cunningham, Gerda König, Raimund Hoghe und Jérôme Bel sowie die Nürnberger Künstlerin Eva Brenner, das Theater Dreamteam, die Chroma Omada und der Kunst-raum der Lebenshilfe beteiligt sein werden. Unter dem Titel „Toys of Tomorrow“ lädt Nürnberg Designerinnen und Designer aus der ganzen Welt ein, zusammen mit den regionalen Spielzeugmachern und -firmen das Spielzeug von morgen zu entwickeln und danach zu fragen, was Spielzeug über Gesellschaft aussagt. Beim Projekt „Whose History“ wird die Geschichte aus der Perspektive der Frauen in Nürnberg erzählt. Im Albrecht-Dürer-Haus sollen die Werke des herausragenden Nürnberger Künstlers digital zum Leben erweckt werden, begleitet von einem Audio-Walk der kanadischen Künstlerin Janet Cardiff.

Darüber hinaus rückt die Bewerbung die aktuellen Szenen in Nürnberg und der Region durch unterschied-lichste Formate im weiteren Bewerbungsprozess und im Kulturhauptstadtjahr in den Fokus. Beispielsweise durch das in Zusammenhang mit dem Neuen Museum entwickelte Format der Repräsentation der Kultur-  und Kreativwirtschaft („Stadtmacherei“), oder auch durch zwei auf künstlerische Produktion abzielende Open Calls 2023 und 2025.

Die Europäische Metropolregion Nürnberg

Besonders die Zusammenarbeit mit der Europäischen Metropolregion Nürnberg, die als ein „Europa im Kleinen“ gesehen werden kann, soll exemplarisch für das Zusammenrücken verschiedener Nationen in Europa sein. Im Jahr 2005 hat sich die Europäische Metropolregion Nürnberg in einem freiwilligen Zusammenschluss zahlreicher Gebietskörperschaften konstituiert. 40 Landkreise und Kommunen haben sich bis zum Sommer 2019 der Kulturhauptstadt-Bewerbung durch Abgabe einer Absichtserklärung angeschlossen. Sechs Arbeits-gruppen konzipieren derzeit regionale Projekt-Formate, die ab 2021 in der gesamten Metropolregion aus-gerollt werden sollen.

Das Bewerbungsbuch

Gegliedert in sechs Kapitel werden im Bewerbungsbuch auf 60 Seiten die Pläne für Nürnberg als Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2025 präsentiert. Das Bid Book fasst alle entscheidenden Aspekte der Nürnberger Bewerbung zusammen. Gefragt wird unter anderem nach der Motivation sich zu bewerben, nach kulturstrate-gischen Planungen, kulturellen und künstlerischen Aspekten der Bewerbung, nach der Beteiligung der Bevöl-kerung sowie der Europäischen Dimension des Projekts. Den Katalog komplettieren Abschnitte zu Finanzen, Organisation, Management und Infrastruktur. Heute dem heutigen Montag, 30. September 2019, um 18 Uhr steht das Bewerbungsbuch in englischer Sprache auf der N2025-Homepage www.n2025.eu der Öffentlichkeit zur Verfügung ebenso wie eine deutsche Zusammenfassung aller Kapitel. Eine vollständige deutsche Version des Bewerbungsbuches wird im November zur veröffentlicht.

Der weitere Prozess

Zwischen dem 10. und 12. Dezember präsentieren sich alle Bewerberstädte vor der internationalen Jury in Berlin und beantworten Fragen zum Konzept und dem Programm. Anschließend wird verkündet, welche Städte auf die „Shortlist“ – also in die engere Wahl – kommen und sich somit weiter im Wettbewerb präsen-tieren dürfen. Die endgültige Entscheidung, welche Stadt den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025 erhält, wird für Herbst 2020 erwartet.

Text: Stadt Nürnberg

Titelfoto: Das Kulturhauptstadt-Bewerbungsbuch zur Nürnberger Bewerbung mit dem Titel “PAST FORWARD”. Bildnachweis: Olivia Barth-Jurca, Stadt Nürnberg, Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt Europas 2025

Sonstige Fotos: Steffen Kirschner, Stadt Nürnberg, Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt Europas 2025