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Nürnberger Menschenrechtspreis 2019 an Rodrigo Mundaca verliehen

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Im Vorfeld der Verleihung wurde der 2Menschenrechtsbaum“ im Beisein vom Rodrigo Mundaca vorgestellt.

Bayern´s Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly begiessen mit Rodrigo Mundaca (Menschenrechtspreisträger 2019) den “Menschenrechtsbaum” an der südlichen Norikusbucht.

Für seinen mutigen Kampf für den freien Zugang zu Wasser in seiner Heimatregion Petorca nördlich von Santiago de Chile zeichnete die Stadt Nürnberg den chilenischen Agraringenieur Rodrigo Mundaca nicht          nur mit dem Internationalen Nürnberger Menschenr-echtspreis aus, sondern pflanzte zu Ehren des Preis-   trägers und seines Engagements einen „Menschen-rechtsbaum“ samt Stein und Texttafel in der südlichen Norikusbucht. Zusammen mit dem Preisträger, Ober-bürgermeister Dr. Ulrich Maly und dem bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz,  Thorsten Glauber wurde am Donnerstag vor der Ver- leihung der „Menschenrechtsbaum2 offiziell begossen     und die Enthüllung des Steins und der Gedenktafel vorgenommen.

Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2019 an Rodrigo Mundaca

Rodrigo Mundaca aus Chile wurde mit dem Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Die Stadt Nürnberg würdigt mit der Auszeichnung des 58-jährigen Agraringenieurs einen unermüdlichen  und in seiner Heimat bedrohten Kämpfer für das Menschenrecht auf freien Zugang zu sauberem Wasser.   Fast 2,1 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu durchgängig verfügbarem Trinkwasser.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly mit Rodrigo Mundaca (Menschenrechtspreisträger 2019) und dem bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber zwischen dem “Menschenrechtsbaum” und der Gedenktafel an der südlichen Norikusbucht.

Die 13. Verleihung des mit 15 000 Euro dotierten Preises fand im vollbesetzten Opernhaus des Nürnberger Staatstheaters vor rund 900 Gästen statt. Die Urkunde überreichten dem Preisträger Oberbürger-meister Dr. Ulrich Maly und Anne Brasseur, Mitglied der Jury und unter anderem ehemalige Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung     des Europarats, die auch die Laudatio auf Rodrigo Mundaca hielt.

„Wasser ist Lebensgrundlage. Wir alle bestehen zu einem nicht geringen Teil aus Wasser“, sagte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly zur Eröffnung des von der Fernsehjournalistin Katty Salié moderierten und von der Staatsphilharmonie Nürnberg unter Leitung von Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz musikalisch umrahmten Festakts. „Wasser ist Lebensmittel“, fuhr das Stadtoberhaupt fort. „Während wir hier in Nürnberg den Hahn aufdrehen, macht es andere krank. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser muss ein universelles Menschenrecht sein. Wo dieses Menschenrecht nicht besteht, dort entsteht Ungerechtigkeit.“ Auch die Begrenztheit des Wassers sei hier in den beiden letzten Sommern deutlich geworden.

In seinem Grußwort lobte der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck Nürnberg als eine Stadt, die Fremde und Minderheiten willkommen heißt, und in der sich Menschen seit Jahrzehnten für den Schutz der Menschen-rechte einsetzten. „Sie würdigen alle zwei Jahre Menschen, die sich zur Wehr setzen, weit über die eigene Existenz hinaus.“ Diese Menschen setz-ten sich trotz Ängsten und Verfolgungen für Menschenrechte ein. „Wir brauchen diese besonderen Vorbilder, die anderen zeigen, was in einem stecken kann.“ Für besonders bemerkenswert hielt es Gauck, dass die Verleihung des Internationalen Nürn-berger Menschenrechtspreises „nicht nur ein Event ist, sondern auch beständige Aufmerksamkeit und nach-haltige Fürsorge bedeutet“.

Laudatorin Anne Brasseur verwies auf das 2010 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannte Recht auf Wasser und prangerte insbesondere den verantwortungslosen Umgang der Avocado-Produzenten in Mundacas Heimatregion Petorca mit dem lebensnotwendigen Grundnahrungs-mittel an. „Durch Überbenutzung der Wasserressourcen wurde eine ganze Gegend in eine Wüstenlandschaft verwandelt und tausende von Bauern haben ihre Existenzgrundlage verloren.“ Auch den unverantwortlichen Umgang mit Wasserressourcen in einer der trockensten Regionen Europas griff Brasseur in der Laudatio auf: „Im spanischen Almeria befindet sich der so genannte Gemüsegarten Europas, wo trotz Wassermangels das meiste von uns verzehrte Gemüse unter Plastikplanen mit viel Wasser angebaut wird.“ An den Preisträger richtete sie die Worte: „Durch Ihren unermüdlichen Einsatz, Herr Mundaca, kämpfen Sie und Ihre Mitstreiter nicht nur für ein elementares Menschenrecht in Ihrem Land, sondern es ist auch ein Appell an uns alle, anders und behutsamer mit der kostbaren Ressource Wasser umzugehen.“ Zudem betonte sie: „Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis an Sie, Herr Mundaca, soll auch dazu beitragen, dass es bei der UN-Klima-Konferenz, die in zwei Monaten in Ihrem Heimatland stattfindet, endlich zu durchsetzbaren Entscheidungen kommt, die uns zwingen, gemeinsam zu handeln.“

Die Gedenktafel beim “Menschenrechtsbaum” an der südlichen Norikusbucht

Rodrigo Mundaca widmete seinen Preis ermordeten und verhafteten Bürgerinnen und Bürgern Chiles und sagte in seiner Dankesrede: „Es ist eine unerwartete Auszeichnung. Wir haben immer wieder gesagt, wir möchten keine Ehrer-bietung – wir sind nur Teil eines Volkes, das es leid ist, dass ihm das Wasser genommen wird. Wir möchten aufstehen für das wichtigste Lebensmittel der Welt: das Wasser.“ Seit 39 Jahren seien in Chile die Wasserrechte in Privathand.  „Wir haben jetzt einen Markt für Wasser“, betonte der Preisträger. 90 Prozent der chilenischen Anbaufläche wer- de für den Anbau von Avocado genutzt, einer tropischen Frucht, die sehr viel Wasser brauche, und für deren Anbau das Wasser aus 100 Meter Tiefe geholt werde. „Die Kinder, die hier geboren werden, kennen keine Flüsse mehr“, er-klärte Mundaca. 50 Liter Wasser pro Woche werde den Menschen auf dem Land in Tankwägen gebracht.   Und: „Immer noch wird intensive Landwirtschaft betrieben für die Supermärkte in Europa und in China.“    Zum Schluss seiner kämpferischen Rede appellierte der Menschenrechtspreisträger an das Publikum: „Wir brauchen die internationale Solidarität!“

Preisträger Rodrigo Mundaca

Rodrigo Mundaca ist Agraringenieur und arbeitet für die Organisation MODATIMA (Movimiento de Defensa por el protección del Medio Ambiente/Bewegung zur Verteidigung des Zugangs zu Wasser, der Erde und des Umweltschutzes) als deren Generalsekretär. Wie viele Regionen in Chile ist Mundacas Heimatregion Petorca durch Wasserkonflikte zwischen global agierenden Agribusiness-Unternehmen einerseits und lokalen Klein-bauern sowie der ländlichen Bevölkerung auf der anderen Seite gekennzeichnet. 90 Prozent der Wasserrechte in Chile sind privatisiert zum Vorteil der großen Export-Unternehmen von Avocados und Zitrusfrüchten und auf Kosten der Landbevölkerung. Der Einsatz des Preisträgers Mundaca für den freien Zugang zu Wasser wird in seiner Heimat kriminalisiert. Er leidet unter massiven Einschüchterungen und muss sich immer wieder vor Gericht verantworten. Amnesty International Chile startete daher 2017 eine Kampagne, um ihn zu schützen und ihm mehr internationale Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Friedenstafel

Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly (links) und Jurymitglied Anne Brasseur (rechts) überreichen Rodrigo Mundaca (Mitte) am 22. September 2019 im Nürnberger Opernhaus den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis.
Bildnachweis: Giulia Iannicelli/Stadt Nürnberg

Im Anschluss an den Festakt begleitete Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly den Preisträger Rodrigo Mundaca sowie Bundespräsident a.D. Joachim Gauck, die Jurymitglieder Anne Brasseur, Kagwiria Mbogori, Vorsitzende der Natio-nalen Menschenrechtskommission in Kenia, Prof. Dr. Hilal Elver, UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nah-rung, und weitere Ehrengäste durch die Straße der Mensch-enrechte zur traditionellen Friedenstafel. Rund 4 500 Bürg-erinnen und Bürger feierten hier den Preisträger. Auch bei der Friedenstafel drehte sich alles um das Thema Wasser. So erhielten Interessierte am Wassermobil des Wasser-wirtschaftsamts Nürnberg nicht nur Informationen, son-dern auch kostenlos Trinkwasser. Die Mitgliedsorganisatio-nen des Runden Tisches Menschenrechte verteilten nach-haltige Trinkflaschen, die vom Versorgungsunternehmen N-Ergie zur Verfügung gestellt wurden.

Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis

Im Bewusstsein der Verantwortung, die ihr aus der NS-Zeit erwachsen ist, hat die Stadt Nürnberg als Antwort auf die Menschenrechtsverletzungen jener Jahre 1995 den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ins Leben gerufen. Seitdem honoriert sie alle zwei Jahre den mutigen Einsatz von Aktivistinnen und Aktivisten die sich zum Teil unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen.

Damit will die Stadt Nürnberg einen Beitrag zur weltweiten Achtung der Menschenrechte leisten und dazu ermutigen, sich für Menschenrechte zu engagieren und diejenigen zu schützen, die sie verteidigen. Inspiriert wurde der Preis von der „Straße der Menschenrechte“, die der Künstler Dani Karavan in Nürnberg geschaffen hat.

Text: Stadt Nürnberg/alf (ISPFD)
Fotos: ISPFD
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