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Zum Tode von Engelbert „Sepp“ Kainz

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Engelbert Kainz, der viele Jahrzehnte das kleine Festzelt „Zum Bauernsepp“ auf den Nürnberger Volksfesten betrieben hat, der auch am Christkindlesmarkt mit einem Glühweinstand präsent war, ist am vergangenen Mittwoch (20. Juni 2018) im Alter von 78 Jahren verstorben.

Sepp Kainz, wie ihn alle gerufen haben, hat in Nürnberg tiefe Spuren hinterlassen. Sein Zelt war nicht das größte – aber wie der Betreiber selbst, originell, ein Treffpunkt. Es diente nicht nur den Volksfestbesuchern als Speisegaststätte und Ruheplatz, auch die Schausteller selbst nutzten es zu Zeiten, wenn alles andere noch oder schon geschlossen war, als Kantine, als Frühstücksplatz oder auf ein Bier nach Feierabend, wenn sich das große Treiben verflüchtigt hatte. Es war ein Ort, wo sich das private Leben der auf dem Volksfest Beschäftigten abgespielt hat, wo gegessen und getrunken und auch mal gefeiert wurde.

Sepp Kainz kam am 30.10.1939 in München zur Welt. Er stammt ursprünglich nicht aus einer Schausteller-familie und begann sein Berufsleben dort als Oberkellner und Hähnchenbrater auf der Wies’n. „Er hat lange Zeit“, erinnert sich sein Kollege und Freund Fritz Stahlmann, Chef vom Hax’n Liebermann, „bei meinen Schwiegereltern als Kellner gearbeitet. So kam er nach Franken. Als diese ihr Zelt aufgegeben haben, hat er zugegriffen. Mit Hilfe der Tucher Brauerei und viel harter Arbeit hat er sich seine Existenz aufgebaut“, so Liebermann, der auch privat mit Sepp Kainz befreundet war. „Wir haben oft zusammen auf Festen gestanden“, erinnert er sich, „und wenn es so war, haben wir uns regelmäßig zum Karteln getroffen“, denn Sepp Kainz war ein großer Schafkopf-Freund.

Doch nicht die Freizeit, die Arbeit hat sein Leben bestimmt: Sein Festzelt, sein Reich, hat er sich mit harter Arbeit aufgebaut. Seine Gastfreundschaft war legendär. Sepp Kainz ist häufig als „Original“ bezeichnet worden, in einer an „echten Typen“ reichen Branche. Er war lustig, eigenwillig, humorvoll, seinen Mitmenschen sehr zugetan, auf seine rau-herzliche Art, dabei hart zupackend und außerordentlich hilfsbereit. „Der Sepp hat sich an die fränkische Mentalität schnell akklimatisiert“, so drückt es ein weiterer Freund von Kainz aus. Der Beruf des Gastwirtes war ihm auf den Leib geschrieben.

Ebenso hat er sich für „seinen Verband“, die Süddeutschen Schausteller engagiert. Seit 1970 war er Mitglied im Süddeutschen Schaustellerverband, der ihn mit seiner Goldenen Ehrennadel bedacht hat. Er war stolzer Ehrenfahnenträger auf Lebenszeit und viele Jahre zuständiger Beirat für Zeltbetriebe und Mitglied im Vor-stand. „Alle, die mit ihm zu tun hatten, kannten seine ‚Zettelwirtschaft‘“, wird noch eine Marotte kolportiert: „Er wollte seine Dinge in Ordnung halten und hat alles, was zu erledigen war, notiert. Die Zettel waren immer dabei.“

Am vergangenen Mittwoch ist Sepp Kainz nach längerer, schwerer Krankheit verstorben. Seinen Betrieb hatte er schon länger an seinen Sohn Josef Kainz abgegeben, der ihn mit seiner Frau Jenny führt. Auch die Töchter Rebecca und Kerstin führen mit ihren Männern eigene Schaustellerbetriebe. „Ohne Menschen wie den Sepp würde unser Verband nicht existieren können“, so der Vorsitzende des Süddeutschen Schausteller Verbandes Lorenz Kalb. „Er war immer für uns da, wenn wir ihn gebraucht oder angefragt haben. Wir werden ihn sehr vermissen.“

Text: Süddeutscher Verband reisender Schausteller und Handelsleute e.V.
Foto: Berny Meyer

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